Quiz

Profiling, also das Erstellen psychologischer Persönlichkeitsprofile, ist keine Hellseherei. Es ist lediglich ein Werkzeug, um die Unmengen an nutzlosen Informationen herauszusieben, die andernfalls eine Ermittlung blockieren könnten.

Stellen Sie in dem folgenden fiktiven Fall Ihre Fähigkeiten als Profiler auf die Probe, und erleben Sie hautnah einige der Probleme bei der Entscheidungsfindung, mit denen Leute wie Jack King und seine Pendants in der Realität konfrontiert sind.

Kreideumriss eines Menschen

ANLEITUNG

Entscheiden Sie sich für die jeweils richtige Antwort auf die nachfolgenden Fragen. VORSICHT: In einigen Fällen sind mehrere Möglichkeiten zutreffend. Mit jeder Antwort erzielen Sie eine Punktzahl, die sich am Ende des Tests zu einem Gesamtresultat addiert. Dann werden Ihnen auch die jeweils richtigen Lösungen präsentiert, und Sie erfahren, wie Ihre Fähigkeiten als Profiler zu bewerten sind.

Der tragische Tod von Louise Alice Benson

Erster Tag

Es ist Sommer, eine Woche vor Beginn der Ferien. Auf einem Parkplatz, nur eine Straße von ihrem Elternhaus entfernt, wird die Leiche der hübschen 19-jährigen Collegeschülerin Louise Benson gefunden. Louise wohnte bei ihrer Mutter, der 41-jährigen Dozentin Marie, und ihrem Stiefvater, dem arbeitslosen 43-jährigen Joe.

Die junge Frau war mit einer ausgewaschenen, modisch zerrissenen Jeans, einem schlichten weißen T-Shirt und einem hellblauen Kapuzensweatshirt bekleidet. Das Sweatshirt wurde neben der Leiche gefunden, und ihre Jeans war an der Taille auseinandergezogen worden. Journalisten spekulierten bereits, dass sie das Opfer eines vorsätzlich geplanten, sexuell motivierten Überfalls geworden sei. Die üblichen Tests der Spurensicherung werden derzeit durchgeführt.

Es waren keinerlei Anstalten gemacht worden, den brutal misshandelten Leichnam zu verstecken. Ein Jogger, der 26-jährige Stefan Lux, hatte Louise gefunden und die Polizei verständigt. Folgendes fanden die Beamten vor:

Der Parkplatz, auf dem Louise gefunden wurde, befand sich am Rand einer Abkürzung, die über eine Sportanlage zum College führte, das sie besuchte.

Die Stelle wurde von überhängenden Bäumen und dichten Büschen eingerahmt. Louises Leiche war in einen Graben gerollt worden, aber davon abgesehen war nichts weiter unternommen worden, sie zu verbergen.

Der Gerichtsmediziner ermittelte als Todeszeitpunkt etwa 9.15 Uhr morgens – wies aber darauf hin, dass er um plus/minus eine Stunde danebenliegen könne.

Louise, so glaubte er, war höchstwahrscheinlich an starken inneren Blutungen gestorben, verursacht durch einen Schlag mit einem schweren, stumpfen Gegenstand auf den Hinterkopf, der den Schädel zertrümmerte und massive Blutungen auslöste. Des Weiteren hatte sie starke Prellungen am linken Oberarm und unter der rechten Achselhöhle erlitten, was davon herrührte, fest gepackt und in den Schutz der Büsche am Rand des Parkplatzes manövriert worden zu sein. Weiterhin hatte sie umfangreiche Kratzer im Gesicht sowie an Hals und Beinen davongetragen, vermutlich als sie im Unterholz in Brombeersträucher und wilde Rosen fiel.

Der Gerichtsmediziner vermutet, dass Louise einen Schlag mit einem Hammer auf den Hinterkopf erlitten hat, und geht zunächst davon aus, dass sie bewusstlos gewesen ist, bevor ihr Angreifer sich an ihrer Kleidung zu schaffen machte.

Die Mordwaffe wurde am Tatort nicht gefunden.

1. Frage

Als was würden Sie diesen Angriff zunächst einordnen, wenn Sie mit der Ermittlung beginnen?

Vorsätzlicher Mord

Vorsätzliche Notzucht und Totschlag

Vorsätzlicher Überfall

Nichts davon, das zu beurteilen ist es noch zu früh.

 

Die Leiche wurde etwa eine halbe Stunde nach der Tat gefunden. Diese wurde kurz nach neun Uhr morgens in einer ziemlich dicht besiedelten innerstädtischen Gegend mitten in der Woche begangen, als auf den Straßen am meisten los war.

2. Frage

Was sagt Ihnen der Zeitpunkt des Überfalls über den Täter?

Wahrscheinlich kannte er sie und hatte darauf gewartet, dass sie zu Fuß zum College ging.

Er wusste, dass es in der Nähe ein College gab, und wartete einfach auf irgendein Opfer.

Er hatte nicht beabsichtigt, sich ein Opfer zu suchen, und kannt auch Louise nicht, aber als er sie sah, wurde er sexuell erregt und nutzte die Gelegenheit, über sie herzufallen.

Es war kein sexuell motivierter Überfall.

 

3. Frage

Was sagt Ihnen die Gegend, in der die Leiche gefunden wurde, über den Täter?

Er wohnte in der Nähe und wusste, dass Mädchen diese Abkürzung nahmen.

Die Gegend war ihm völlig unbekannt.

Er wohnte nicht in diesem Viertel, besuchte die Gegend jedoch öfter und kannte sie gut.

Nichts, die Gegend ist unwichtig.

 

Sexualtäter hinterlassen für gewöhnlich DNS-Spuren am Tatort, auch wenn viele (besonders solche mit einschlägigen Vorstrafen) inzwischen genau wissen, wozu die moderne Spurensicherung in der Lage ist, und daher entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, keine DNS zurückzulassen. In diesem Fall fand die Polizei trotz der durcheinander-gebrachten Kleidung des Opfers keinerlei Spuren, die einen sexuellen Übergriff bestätigten, und da Louise von hinten niedergeschlagen wurde, konnten ebenfalls keine Spuren wie etwa Haut des Täters unter ihren Fingernägeln sichergestellt werden.

4. Frage

Was sagt Ihnen das Fehlen solcherart sichergestellter Spuren?

Der Täter kannte sich mit Spurensicherung aus, weil er regelmäßig CSI und andere Kriminalfilme schaute, und daher sorgfältig darauf achtete, keine Spuren zu hinterlassen.

Er war körperlich nicht in der Lage, einen sexuellen Übergriff durchzuführen.

Wahrscheinlich war er ein bekannter Krimineller, der entsprechende Vorsichtsmaßnahmen ergriff, keine Spuren zu hinterlassen, da seine DNS sich in den Datenbanken der Polizei befand.

Nichts davon.

 

Niemand sah den Überfall, aber als die Polizei in der Gegend von Haus zu Haus ging, kamen die folgenden Aussagen zutage.

Rainer Haider (19) – Collegefreund von Louise, winkte ihr zu, als sie gerade das Haus verließ und er auf dem Rad vorbeikam. Er erinnert sich, dass ein vor einer Bäckerei haltender Lieferwagen die Straße blockierte. Er erinnert sich deshalb daran, weil er über den Bürgersteig fahren musste.

Ingrid Easterman (60) – Eine Nachbarin auf dem Weg zu den Geschäften, um sich eine Tageszeitung und Kaffee zu besorgen; sie meint, Louise kurz vor dem Rand ihres eigenen Blocks in Gesellschaft eines Mannes gesehen zu haben.

Wolfgang Thull (36) – Ein Dozent ihres Colleges, der gerade vorbeikam und in den vom Lieferwagen verursachten Stau geriet. Er sah sie allein gehen.

Henk-Jan Linders (28) – Der Fahrer, der Brot und Gebäck bei einem Geschäft in der Nähe anlieferte, hatte den Stau unbeabsichtigt zu dem Zeitpunkt verursacht, von dem andere Zeugen angeben, sie hätten sein Fahrzeug und Louise gesehen. Er bestand nachdrücklich darauf, sie nicht gesehen zu haben.

5. Frage

Welcher Darstellung meinen Sie am meisten Glauben schenken zu können?

Rainer

Ingrid

Wolfgang

Henk-Jan

 

6. Frage

Auf welche Darstellung meinen Sie sich am wenigsten verlassen zu können?

Rainer

Ingrid

Wolfgang

Henk-Jan

 

Louises Mutter, Marie.
Marie war zum Zeitpunkt des Mordes an ihrer Tochter nicht im Viertel gewesen. Sie war am Abend zuvor essen gewesen und hatte bei einer Freundin geschlafen. Sie ist Kettenraucherin und hat seit Stunden geweint. Sie kann einfach nicht akzeptieren, was geschehen ist, und es ist schwer, sie über einen längeren Zeitraum zu vernehmen. Sie erzählt, dass Louise ein typischer aufsässiger Teenager war, ausgesprochen unabhängig und derzeit ohne festen Freund. Während der letzten paar Monate hatte sie nicht den Eindruck gemacht, Jungs zu mögen, und Marie hatte geglaubt, dies hätte irgendwie mit den heftigen Wortgefechten zu tun, zu denen es zwischen ihr und ihrem Stiefvater gekommen war. Angesprochen auf Louises Einstellung gegenüber Joe, ihrem Partner, teilt sie mit, Louises leiblicher Vater sei vier Jahre zuvor gestorben; Louise hielt es dagegen nicht für richtig, dass ihre Mutter bereits ihren Vater ersetzt hatte. Offenbar erzählte sie ihrer Mutter, Joe sei ein Widerling, der nur wegen ihres Geldes bei ihr sei, und was noch schlimmer sei, er flirte andauernd mit ihr und sei erst kürzlich absichtlich ins Bad gekommen, als sie gerade unter der Dusche stand.

Louises Stiefvater, Joe.
Joe war über Nacht mit Louise allein im Haus gewesen. Auf die Frage, ob er seine Stieftochter körperlich attraktiv gefunden habe, bekam er einen roten Kopf und antwortete, er fühle sich gekränkt, solch eine Frage gestellt zu bekommen, und habe sich die größte Mühe gegeben, stützend und verständnisvoll zu sein, während er gleichzeitig gewusst habe, ihren leiblichen Vater natürlich nie ersetzen zu können. Joe ist arbeitslos. Sechs Monate zuvor hatte er Job und Führerschein wegen Alkoholmissbrauchs verloren. Nun ja, er trank immer noch, aber er war in Therapie deswegen.

7. Frage

Was schließen Sie aus den Aussagen von Joe und Marie?

Möglich, dass Joe seine Stieftochter ermordet hat, als ihre Mutter fort war.

Nichts, das war eine ausgesprochen glaubhafte Familiengeschichte.

Möglich, dass Joe sich von Louise angezogen fühlte, aber er ist nicht über sie hergefallen.

Louise hat Joe dazu gebracht, eine sexuelle Beziehung zu ihr aufzunehmen, und dann gedroht, alles ihrer Mutter zu erzählen, wenn er nicht ging, also brachte er sie um und ließ es aussehen, als sei sie Opfer einer Vergewaltigung geworden.

 

Sie leiten eine Besprechung des Falles und ermutigen Ihr Team, völlig frei und ungehindert Gedanken zu entwickeln und zu äußern.

8. Frage

Ihr Team entwickelt die folgenden Ideen, welche davon würden Sie verwerfen?

Vielleicht gibt es in diesem Fall zwei Täter.

Möglich, dass die Eltern sie gemeinsam getötet haben.

Sie starb durch den Sturz in den Graben, und ein Passant fand sie und entkleidete sie.

Nichts von alldem.

 

zum zweiten Tag

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